Gotthardtunnel
 

Geplante Alpentransversalen

Baustellen in Faido

Arbeiterunterkünfte

Baustelle in Amsteg

Seeschüttung

Baustelleneinfahrt - Tunnel

im Tunnel

Materialbrecher im Tunnel

Abtransport mit Förderband

 

 

 

Am 13. Juli hat eine rund 50-köpfige Delegation der SVP des Eisacktales in der Schweiz die Baustellen des Gotthardtunnels in Bodio und Faido (Kanton Tessin) besucht.


Die Schweizer haben im Jahr 1998 über eine Volksabstimmung  den Ausbau des Bahnnetzes und unter anderem den Bau des 57 km langen Gotthardtunnels beschlossen, um den Verkehr verstärkt von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Seit 1999 wird am Gotthard gebaut. Die Fertigstellung ist für 2015 vorgesehen.
Der Brennerbasistunnel ist von seiner Konzeption und Länge her nahezu eine Kopie des Gotthardtunnels, daher war der Besuch in der Schweiz eine gute Gelegenheit, sich einen Eindruck davon zu machen, was uns Eisacktaler beim Bau des Brennerbasstunnels erwartet.


Sehr beeindruckend war das Schweizer System des Materialabtransports und der Materialaufbereitung. Das gesamte Abbaumaterial wird noch im Tunnel zerkleinert und ausschließlich über Förderbänder zu den Zwischenlagern gebracht. Um die Staubentwicklung zu  begrenzen wird das Abbruchmaterial durchgehend mittels Bewässerung feucht gehalten. Alle Verkehrswege sind befestigt (geteert oder betoniert) und werden in kurzen Zeitabständen befeuchtet. Die Materialaufbereitungsanlagen (Brecher, Betonwerk, ...) sind alle eingehaust, um die Staub- und Lärmentwicklung so gering wie möglich zu halten. Gut 50% des Ausbruchmaterials wird als Baumaterial (Schotter für die Betonherstellung) wiederverwendet. Das restliche Material muss endgelagert werden. Unter anderem werden damit in einem See kleine Inseln aufgeschüttet, die dann einen erweiterten Badestrand bilden. Zu einer der Endlagerstätten wurde  ein 3 km langer Tunnel gebohrt, durch den das Material über ein Förderband transportiert wird, um einen für die Anwohner sehr belastenden Transport mit LKWs zu vermeiden. Überall dort, wo wir Zugang hatten, waren wir von der offensichtlich nicht vorhandenen Lärm- und Staubentwicklung angenehm überrascht.
Obwohl am Gotthardtunnel "nur" rund 470 Personen arbeiten und sich entlang der Strecke insgesamt 5 Baustellen befinden, ist der Platzbedarf für die Baustelleneinrichtung mit Zwischenlager für das Abbruchmaterial, Materialaufbereitungsanlagen, Abwasseraufbereitung, Unterkünfte für die Arbeiter, Büros und Werkstätten doch über Erwarten groß. 
 

Einige Klärungen konnten wir auch zum recht umstrittenen, weil kostspieligen Konzept des kombinierten Verkehrs erhalten.
Auch die Schweizer bauen einen Tunnel, der sowohl für eine Personenschnellbahn als auch für den Gütertransport verwendet werden soll. Obwohl der Tunnel vorwiegend für den Gütertransport gedacht ist, glaubt man, mit einer Schnellbahnverbindung Zürich - Mailand bei einer kalkulierten Fahrzeit von gut zwei Stunden attraktiver als jedes andere Verkehrsmittel zu sein und damit sowohl dem zunehmenden Straßen- wie Flugverkehr entgegenwirken zu können.
 

Erkenntnisse:

1)   In der Schweiz wird bereits seit 1999 gebaut und trotz des Einsatzes modernster Tunnelbohrmaschinen ist mit der Fertigstellung erst im Jahr 2015 zu rechnen.
Beim Brennerbasistunnel ist die Planung noch nicht abgeschlossen und die Fertigstellung ist ebenfalls für 2015 vorgesehen. Dies scheint kaum realistisch.

2)   Der Brennnerbasistunnel ist  der Bevölkerung nur dann zuzumuten, wenn die durch das Eisacktal unterirdisch zu führende Zulaufstrecke gleichzeitig gebaut und fertiggestellt wird. Für diesen Streckenabschnitt gibt es aber nur eine Studie, weder ein genehmigtes Projekt, geschweige denn eine gesicherte Finanzierung.

3) Die Belastungen für die Bevölkerung in der Bauphase scheinen zumindest in der Schweiz  insgesamt auf ein erträgliches Maß begrenzt zu sein.
Für uns gilt es wohl, die Interessen aller Betroffenen zu bündeln, um ähnliche Erfolge zu gewährleisten.

4)  Der Brennerbasistunnel ist beschossene Sache, ob wir ihn wollen oder nicht.
Das Einfordern und die Kontrolle der Einhaltung von klaren Umweltauflagen wird eine der größten Herausforderungen für alle politisch Verantwortlichen auf Ort-, Bezirks- und Landesebene.

Walter Kerer

 

Ausführliche Informationen zum Gotthardtunnel finden sich unter

www.alptransit.ch

 

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Stand: 17.09.05